LDH
Auch: Laktatdehydrogenase · Lactatdehydrogenase · LDH im Serum
Die LDH (Laktatdehydrogenase) ist ein Enzym — nach der Beschreibung des IQWiG also ein Eiweiß, das im Körper chemische Reaktionen in Gang setzt oder beschleunigt und unter anderem in Zellen enthalten ist. Für diesen Wert gibt es keinen bundesweit einheitlichen Referenzbereich; maßgeblich ist der Bereich auf deinem Befund. Auffällig ist, in wie verschiedenen Zusammenhängen ärztliche Leitlinien die LDH heranziehen: Die DGHO führt sie sowohl unter den Werten, die bei einem Blutzerfall gemeinsam betrachtet werden, als auch in Leitlinien zu ganz anderen Erkrankungen — jeweils als einen von mehreren Werten. In keinem dieser Zusammenhänge steht sie allein, und keiner davon lässt sich aus der Zahl selbst ablesen.
Was ist LDH?
Die Laktatdehydrogenase, auf Befunden fast immer als LDH abgekürzt, ist ein Enzym. Was ein Enzym ist, beschreibt das IQWiG so: Enzyme sind Eiweiße, die im Körper chemische Reaktionen in Gang setzen oder beschleunigen; sie sind zum Beispiel in Zellen enthalten und regeln dort lebenswichtige Stoffwechselvorgänge.
Interessanter als die Definition ist, wie dieser Wert in der Medizin benutzt wird — und da fällt eines auf: Er taucht in Leitlinien zu sehr verschiedenen Erkrankungen auf, und zwar jedes Mal als einer von mehreren Werten.
- In der Leitlinie der DGHO zur paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie steht die LDH in der Basisdiagnostik unter den obligaten Hämolyse-Parametern — gemeinsam mit dem Gesamt-Bilirubin und dem direkten Bilirubin. „Hämolyse“ ist der Fachausdruck für den Zerfall roter Blutkörperchen.
- In der Leitlinie zur thrombotischen Mikroangiopathie gehört ein erhöhter LDH-Spiegel sinngemäß zu einer ganzen Konstellation, die dort als klassisch beschrieben wird: mikroangiopathisch-hämolytische Anämie mit erniedrigten Thrombozyten, vermindertem Haptoglobin, vermehrten Retikulozyten und erhöhtem indirektem Bilirubin.
- In der Leitlinie zu Keimzelltumoren des Mannes wird die LDH im Serum zusammen mit den Markern AFP und HCG bestimmt — als Teil der Erstdiagnostik, wenn ein Verdacht bereits im Raum steht, und später in der Risikoeinteilung.
- In der Leitlinie zum Multiplen Myelom unterscheidet die Stadieneinteilung danach, ob die LDH über oder unter dem oberen Normwert liegt.
Vier Leitlinien, vier ganz verschiedene Fragestellungen, ein Wert. Das ist der Grund, warum sich aus der Zahl allein nichts ablesen lässt: Sie sagt nicht, aus welchem Zusammenhang sie kommt. Genau deshalb steht sie in jeder dieser Leitlinien neben anderen Untersuchungen und nie für sich.
LDH: Normalwerte und Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene — LDH im Serum[6] | kein einheitlicher Referenzbereich | U/l |
| Wie ärztliche Leitlinien die LDH einordnen — Bezugsgröße[3] | Vielfaches des oberen Grenzwerts des jeweiligen Labors | U/l |
- Erwachsene — LDH im Serum: Hier steht bewusst keine Spanne. Die zulässigen Quellen dieses Lexikons veröffentlichen für die LDH keinen Referenzbereich, und eine Zahl aus einem Laborportal wäre schlechter als keine. Laut IQWiG können Werte ohnehin mit verschiedenen Geräten und Methoden bestimmt werden, und die Ergebnisse unterscheiden sich dann; Labore geben deshalb eigene Referenzbereiche an — maßgeblich ist der auf deinem Befund.
- Wie ärztliche Leitlinien die LDH einordnen — Bezugsgröße: Bemerkenswert an dieser Zeile ist, dass sie ohne feste Zahl auskommt: Die Leitlinie zu Keimzelltumoren rechnet in Vielfachen des oberen Grenzwerts (ULN), und die Myelom-Leitlinie unterscheidet lediglich „über“ oder „unter“ dem oberen Normwert. Selbst dort ist die Bezugsgröße also der Bereich des messenden Labors. Die Leitlinie merkt zu ihrer eigenen Tabelle zudem an, dass die dort genannten LDH-Grenzwerte nach einer neueren Auswertung überholt sind.
Referenzbereiche sind laborabhängig — maßgeblich ist der Bereich auf deinem Befund.
LDH zu hoch: mögliche Ursachen
Vorweg das Wichtigste: Ein erhöhter LDH-Wert benennt weder ein Organ noch eine Ursache. Er sagt nicht, woher er kommt — und deshalb kann diese Seite dir auch nicht sagen, was deiner bedeutet. Was sie kann, ist zeigen, wie ärztliche Leitlinien mit einem erhöhten Wert umgehen.
Er wird gemeinsam mit anderen Werten gelesen. In der DGHO-Leitlinie zur paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie steht die LDH unter den obligaten Hämolyse-Parametern, zusammen mit dem Gesamt- und dem direkten Bilirubin. In der Leitlinie zur thrombotischen Mikroangiopathie ist ein erhöhter LDH-Spiegel Teil einer Konstellation aus mehreren Befunden — erniedrigte Thrombozyten, vermindertes Haptoglobin, vermehrte Retikulozyten, erhöhtes indirektes Bilirubin. Ein einzelner erhöhter Wert ergibt diese Konstellation nicht.
Er wird im Verlauf gelesen. Dieselbe PNH-Leitlinie nennt die LDH bei der Beurteilung, wie eine Behandlung anspricht, und sieht regelmäßige Kontrollen der Hämolyse-Parameter vor. Der Nutzen entsteht dort aus der Entwicklung, nicht aus einem einzelnen Messpunkt.
Und ja — er kommt auch in Leitlinien zu Krebserkrankungen vor. Bei Keimzelltumoren des Mannes wird die LDH neben AFP und HCG im Serum bestimmt; das geschieht laut Leitlinie im ersten Schritt der Abklärung, wenn ein Verdacht durch andere Untersuchungen bereits besteht — genannt werden dort der Ultraschall beider Hoden, ein Routinelabor und eine Schnittbildgebung. Beim Multiplen Myelom geht die LDH in die Stadieneinteilung einer bereits gesicherten Erkrankung ein. In beiden Fällen ist sie ein Baustein in einem Verfahren, das an anderer Stelle beginnt.
Was daraus folgt, ist unbequem und ehrlich: Aus einem erhöhten LDH-Wert lässt sich weder eine Erkrankung ableiten noch eine ausschließen. Beides zu behaupten wäre eine ärztliche Aussage über deinen Befund. Was sinnvoll ist, ist der zweite Blick — und den wirft deine Ärztin oder dein Arzt, die den Wert zusammen mit deiner Vorgeschichte, deinen Beschwerden und den übrigen Werten sehen. Üblich ist außerdem, einen einzelnen auffälligen Wert zu kontrollieren, bevor daraus etwas folgt.
Zu erniedrigten LDH-Werten steht auf dieser Seite bewusst nichts: Die hier zitierten Leitlinien behandeln ausschließlich erhöhte Werte.
Was den Wert beeinflusst
- Das Labor. Laut IQWiG können Werte mit verschiedenen Geräten und Methoden bestimmt werden, und die Ergebnisse unterscheiden sich dann; die Quelle rät deshalb ausdrücklich, sich nach dem Bereich zu richten, der auf dem eigenen Befund steht. Bei der LDH wiegt das schwerer als bei anderen Werten, weil es keinen einheitlichen Bereich gibt, gegen den man gegenprüfen könnte. Selbst Fachleitlinien rechnen deshalb in Vielfachen des jeweiligen oberen Grenzwerts.
- Der Vergleich zweier Befunde. Aus demselben Grund sind zwei Zahlen aus zwei Laboren nur eingeschränkt vergleichbar. Für eine Kontrolle im Verlauf ist möglichst dasselbe Labor sinnvoll.
- Der Zeitpunkt. Die PNH-Leitlinie nutzt die LDH als Verlaufsgröße unter einer laufenden Behandlung. Ein einzelner Messpunkt beschreibt entsprechend den Moment der Abnahme, nicht einen Dauerzustand.
- Die Blutabnahme selbst. Die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie beschreibt in ihren Konsensusempfehlungen zur Hyperkaliämie, dass zu langes Stauen, kräftiges Pumpen mit der Hand oder ein zu starker Sog beim Abziehen des Blutes eine Hämolyse auslösen können, und dass ein solcher Blutzerfall in der Probe von einem Anstieg der LDH begleitet wird. Das heißt: Der Anstieg entsteht in diesem Fall in der Probe, nicht im Körper. Ob das bei einer bestimmten Messung eine Rolle gespielt hat, beurteilen das Labor und die Ärztin oder der Arzt, die den Befund erhoben haben; im Labor gibt es dafür eigene Erkennungszeichen — die Quelle nennt das freie Hämoglobin und den Hämolysegrad in der Probe.
Und ganz allgemein gilt, was das IQWiG für alle Laborwerte schreibt: Alter, Geschlecht, Hormonhaushalt, Gewicht, körperliche Aktivität, Ernährung, Genussmittel, Medikamente und die Tageszeit können Messwerte beeinflussen. Die Grenzen des Referenzbereichs sind zudem so gesetzt, dass 95 Prozent der Gesunden darin liegen — 5 Prozent liegen also außerhalb, obwohl sie gesund sind.
Wie gemessen wird
Die LDH wird aus dem Blut bestimmt; die Leitlinie zu Keimzelltumoren spricht ausdrücklich von der Bestimmung im Serum. Auf dem Befund steht sie meist schlicht als „LDH“, manchmal ausgeschrieben als Laktatdehydrogenase.
Zwei Punkte sind für die Einordnung wichtiger als die Abnahme selbst.
Erstens: Neben der Zahl steht der Bereich deines Labors — und der ist hier die einzige Bezugsgröße. Das gilt nicht nur für Laien: Auch die zitierten Leitlinien beziehen sich auf den oberen Grenzwert des messenden Labors, nicht auf eine feste Zahl.
Zweitens: Ein einzelner auffälliger Wert ist selten schon das Ergebnis. Üblich ist eine Kontrollmessung, bevor daraus etwas folgt. Das IQWiG formuliert den Grundsatz allgemein: Ein einzelner Laborwert ist stets nur ein Baustein einer Gesamtdiagnose.
Ob und wann eine Kontrolle sinnvoll ist und welche weiteren Werte dazugehören, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt — bei der LDH ist genau das die eigentliche Auskunft, nicht die Zahl.
Häufige Fragen
Welcher LDH-Wert ist normal?
Dafür gibt es keinen bundesweit einheitlichen Referenzbereich; maßgeblich ist der Bereich, der auf deinem eigenen Befund steht. Das ist keine Ausflucht, sondern die belegbare Antwort: Die zulässigen Quellen dieses Lexikons veröffentlichen keinen Bereich für die LDH, und laut IQWiG können Werte mit verschiedenen Geräten und Methoden bestimmt werden, sodass sich die Ergebnisse unterscheiden — Labore geben deshalb eigene Bereiche an. Selbst ärztliche Leitlinien rechnen deshalb in Vielfachen des oberen Grenzwerts des jeweiligen Labors.
Bedeutet ein erhöhter LDH-Wert, dass ich Krebs habe?
Das lässt sich aus dem Wert nicht ablesen — weder in die eine noch in die andere Richtung, und deshalb sagt diese Seite dazu bewusst nichts. Was sich belegen lässt: Die LDH kommt in ärztlichen Leitlinien zu ganz verschiedenen Erkrankungen vor. Bei Keimzelltumoren des Mannes wird sie neben AFP und HCG bestimmt, wenn ein Verdacht durch Ultraschall und Bildgebung bereits besteht; beim Multiplen Myelom dient sie der Stadieneinteilung einer gesicherten Erkrankung. Genauso steht sie in Leitlinien, in denen es um Blutzerfall geht und um keinen Tumor. In all diesen Fällen ist sie einer von mehreren Werten und nie der Ausgangspunkt. Was dein Wert bedeutet, ordnet deine Ärztin oder dein Arzt ein — mit deiner Vorgeschichte und den übrigen Befunden.
Wofür wird die LDH überhaupt bestimmt?
In den hier zitierten Leitlinien der DGHO für zwei Zwecke. Erstens gehört sie zu den Werten, die bei einem Verdacht auf Blutzerfall (Hämolyse) gemeinsam betrachtet werden — die Leitlinie zur paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie führt sie dort als obligaten Parameter neben dem Gesamt- und dem direkten Bilirubin. Zweitens dient sie der Verlaufsbeurteilung unter einer laufenden Behandlung. In der Onkologie kommt sie zusätzlich in der Diagnostik und in Stadieneinteilungen vor, immer zusammen mit anderen Untersuchungen.
Muss ich für die LDH-Bestimmung nüchtern sein?
Dazu machen die für dieses Lexikon zulässigen Quellen keine Angabe, und diese Seite erfindet keine. Die Bestimmung erfolgt aus dem Blut, in den zitierten Leitlinien aus dem Serum. Ob für deine Blutabnahme Vorgaben gelten, sagt dir die Praxis oder das Labor, das sie durchführt — häufig hängt das ohnehin an den anderen Werten, die mitbestimmt werden.
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Quellen
- DGHO, OEGHO, SGHSSH, SGMO (Onkopedia-Leitlinie): Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH). Stand September 2024. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- DGHO, OEGHO, SGHSSH, SGMO, GTH (Onkopedia-Leitlinie): Thrombotische Mikroangiopathie (TMA). Stand Mai 2026. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- DGHO (Onkopedia-Leitlinie): Keimzelltumoren des Mannes (Gonadale Keimzelltumoren). Stand Januar 2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- DGHO (Onkopedia-Leitlinie): Multiples Myelom. Stand Oktober 2024. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Glossar: Enzym — gesundheitsinformation.de. Seite ohne Datumsangabe, abgerufen am 29.08.2026. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Laborwerte richtig verstehen — gesundheitsinformation.de. 02.04.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN): Konsensusempfehlungen zur Diagnose und Therapie der Hyperkaliämie der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie 2026 — Wiener klinische Wochenschrift. Wien Klin Wochenschr 2026;138(Suppl 2):11–48, abgerufen am 29.08.2026. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
Clamira Redaktion · Redaktionell erstellt
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