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Hämoglobin

Auch: Hb · Hb-Wert · roter Blutfarbstoff · Blutfarbstoff

Kurz gesagt

Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen — er nimmt in der Lunge Sauerstoff auf und gibt ihn im Körper wieder ab. Als Referenzbereich nennt das IQWiG für Frauen über 18 Jahren 11,5 bis 16,0 g/dl und für Männer 13,5 bis 17,8 g/dl. Von einer Blutarmut (Anämie) spricht man laut der Onkopedia-Leitlinie der DGHO nach WHO-Definition unterhalb von 12 g/dl bei Frauen und 13 g/dl bei Männern — diese Schwelle liegt bei Frauen also ÜBER der unteren Referenzgrenze. Maßgeblich für dich ist der Bereich auf deinem Befund und die Einordnung durch deine Ärztin oder deinen Arzt.

Was ist Hämoglobin?

Hämoglobin — häufig als Hb abgekürzt — ist laut IQWiG ein eisenhaltiges Protein, der wichtigste Bestandteil der roten Blutkörperchen, und es gibt diesen Zellen ihre Farbe. Daher der Name roter Blutfarbstoff. Seine wichtigste Aufgabe beschreibt die Quelle so: Hämoglobin nimmt in der Lunge Sauerstoff aus der Atemluft auf, das Blut verteilt ihn dann überall im Körper, und umgekehrt transportiert Hämoglobin auch Kohlendioxid aus dem Gewebe zurück zur Lunge.

Der Hämoglobin-Wert misst nicht die Zahl der Zellen, sondern die Menge des Farbstoffs im Blut. Das ist der Grund, warum er der wichtigste Einzelwert des Blutbilds ist: Ob jemand ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, hängt nicht daran, wie viele Zellen unterwegs sind, sondern wie viel Ladekapazität sie zusammen haben.

Für den Aufbau braucht der Körper unter anderem Eisen — Hämoglobin ist der größte Eisenverbraucher im Körper. Deshalb hängen der Hb-Wert und die Eisenwerte (Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung) eng zusammen, und deshalb fällt Ferritin bei einem Eisenmangel deutlich früher als das Hämoglobin.

Angegeben wird Hämoglobin in Deutschland meist in g/dl; manche Labore berichten in mmol/l. Die Zahlen sind dann völlig verschieden, obwohl dasselbe gemeint ist — das IQWiG nennt beide Skalen nebeneinander.

Hämoglobin: Normalwerte und Referenzbereiche

Referenz- und Richtwerte für Hämoglobin mit Angabe der jeweiligen Quelle
GruppeBereichEinheit
Frauen über 18 Jahren[1]11,5 – 16,0g/dl
Männer über 18 Jahren[1]13,5 – 17,8g/dl
Frauen — WHO-Grenzwert für eine Anämie[4]unter 12g/dl
Männer — WHO-Grenzwert für eine Anämie[4]unter 13g/dl
  • Frauen über 18 Jahren: Dieselbe Quelle nennt den Bereich auch als 7,1 – 9,9 mmol/l. Beide Angaben meinen dasselbe Ergebnis auf zwei Skalen — welche auf deinem Befund steht, entscheidet dein Labor.
  • Männer über 18 Jahren: Entspricht 8,4 – 11,0 mmol/l.
  • Frauen — WHO-Grenzwert für eine Anämie: ⚠ Diese Schwelle liegt ÜBER der unteren Referenzgrenze des IQWiG (11,5). Ein Wert von 11,8 g/dl liegt also im Referenzbereich und zugleich unter dem WHO-Grenzwert. Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO schreibt: Eine Eisenmangelanämie liegt vor, wenn die Hämoglobinkonzentration eisenmangelbedingt unter den alters- bzw. geschlechtsspezifischen Normwert absinkt — nach WHO 12 g/dl für Frauen.
  • Männer — WHO-Grenzwert für eine Anämie: Nach derselben Leitlinie. Anders als bei den Frauen liegt diese Schwelle unterhalb der IQWiG-Referenzgrenze (13,5).

Referenzbereiche sind laborabhängig — maßgeblich ist der Bereich auf deinem Befund.

Hämoglobin zu hoch: mögliche Ursachen

Ist die Hämoglobin-Konzentration im Blut erhöht, weist das laut IQWiG auf eine erhöhte Anzahl roter Blutkörperchen hin — das bezeichnet man als Polyglobulie.

Als Ursachen führt die Quelle auf:

  • Chronischer Sauerstoffmangel, zum Beispiel nach einem längeren Aufenthalt im Hochgebirge. Der Körper bildet dann mehr rote Blutkörperchen, um den Mangel auszugleichen — eine Anpassung, keine Krankheit.
  • Starkes Rauchen sowie bestimmte Herz- und Lungenerkrankungen.
  • Eine krankhafte Vermehrung der Blutzellen auch ohne Sauerstoffmangel.
  • Flüssigkeitsmangel — wenn der Körper durch Schwitzen, Erbrechen oder Durchfall viel Wasser verliert oder man zu wenig trinkt.

Zum letzten Punkt schreibt die Quelle einen Satz, der die ganze Sorte Fehllesung ausräumt: Dann ist nicht zu viel Hämoglobin im Blut, sondern zu wenig Flüssigkeit. Es ist der häufigste harmlose Grund und zugleich der, den man selbst beeinflussen kann.

Alles andere gehört ärztlich eingeordnet: Das IQWiG schreibt, es sei sinnvoll, erhöhte Hämoglobin-Werte von der Ärztin oder dem Arzt abklären zu lassen — sie oder er kann durch weitere Untersuchungen herausfinden, woher die Erhöhung kommt und ob eine Behandlung nötig ist.

Hämoglobin zu niedrig: mögliche Ursachen

Ist die Hämoglobin-Konzentration erniedrigt, spricht man laut IQWiG von einer Blutarmut oder Anämie. Der Körper wird dann nicht mehr so gut mit Sauerstoff versorgt, was sich durch allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Schwindel und Leistungsschwäche bemerkbar machen kann.

Für eine Blutarmut kann es viele verschiedene Ursachen geben. Die Quelle zählt sie auf:

  • Eisenmangel — oft der Grund. Ohne Eisen kann der Körper kein neues Hämoglobin bilden; etwa die Hälfte aller Anämien entsteht so.
  • Ein Mangel an Folsäure oder Vitamin B12.
  • Chronische Krankheiten, zum Beispiel der Nieren, des Knochenmarks oder des Darms.
  • Angeborene Störungen der Blutbildung und bestimmte Infektionskrankheiten.
  • Akute oder chronische Blutungen.

Was daraus folgt, hängt an der Ursache — und genau deshalb ist sie die eigentliche Frage. Das IQWiG hält fest: Leicht verringerte Werte können eine harmlose Ursache haben; da aber auch ernstzunehmende Erkrankungen dahinterstecken können, ist es sinnvoll, die Ergebnisse immer von der Ärztin oder dem Arzt abklären zu lassen. Ist ein Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin B12 die Ursache, reicht es manchmal schon aus, die Ernährung zu ändern oder Ersatzpräparate zu nehmen; nach einer Weile sollten die Blutwerte dann wieder im Referenzbereich liegen. Bei einer starken Blutarmut ist die Sauerstoffversorgung des Körpers gefährdet — dann kann eine Bluttransfusion nötig sein.

Was den Wert beeinflusst

  • Der Flüssigkeitshaushalt. Das IQWiG nennt Schwitzen, Erbrechen und unzureichende Flüssigkeitszufuhr als Gründe für rechnerisch höhere Werte. Wer stark dehydriert zur Blutabnahme kommt, misst zu hoch.
  • Die Höhenlage. Nach einem längeren Aufenthalt im Hochgebirge bildet der Körper mehr rote Blutkörperchen — eine echte Anpassung, die Wochen anhält.
  • Rauchen. Steht in der Quelle ausdrücklich unter den Ursachen erhöhter Werte.
  • Der Eisenhaushalt. Ohne Eisen kein Hämoglobin. Ferritin fällt dabei deutlich früher als der Hb-Wert — ein normales Hämoglobin schließt einen leeren Eisenspeicher nicht aus.
  • Die Einheit. g/dl und mmol/l ergeben völlig verschiedene Zahlen für dasselbe Ergebnis. Beim Vergleich zweier Befunde lohnt der Blick auf die Einheit.

Und allgemein gilt, was das IQWiG für alle Laborwerte schreibt: Rund 5 Prozent der Menschen liegen außerhalb des Referenzbereichs, obwohl sie gesund sind.

Wie gemessen wird

Um den Hämoglobin-Wert zu bestimmen, nimmt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG etwas Blut ab, in der Regel aus der Armvene; manchmal reicht auch ein Tropfen Blut aus einer Fingerspitze. Nüchtern musst du dafür nicht sein.

Hämoglobin steht praktisch nie allein. Es ist Teil des kleinen Blutbilds und wird zusammen mit Hämatokrit, Erythrozytenzahl und den daraus berechneten Indizes MCV, MCH und MCHC gelesen. Erst diese Kombination sagt, um welche Art von Blutarmut es sich handelt: Kleine, blasse Zellen weisen in eine andere Richtung als große.

Zwei Punkte für den Vergleich zweier Befunde: dasselbe Labor, und ein Blick auf die Einheit (g/dl oder mmol/l). Und wenn du zwischen den Messungen deutlich mehr oder weniger getrunken hast, ist ein Teil des Unterschieds schlicht die Verdünnung.

Häufige Fragen

Welcher Hämoglobin-Wert ist normal?

Das IQWiG nennt für Frauen über 18 Jahren 11,5 bis 16,0 g/dl (7,1 bis 9,9 mmol/l) und für Männer 13,5 bis 17,8 g/dl (8,4 bis 11,0 mmol/l). Maßgeblich ist der Bereich auf deinem eigenen Befund — er kann je nach Labor und Messverfahren abweichen. Achte beim Vergleich zweier Befunde auf die Einheit: g/dl und mmol/l ergeben für dasselbe Ergebnis sehr verschiedene Zahlen.

Ab welchem Hämoglobin-Wert spricht man von Blutarmut?

Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO nennt die WHO-Definition: 12 g/dl für Frauen und 13 g/dl für Männer. Bemerkenswert ist der Vergleich mit dem Referenzbereich: Bei Frauen liegt die untere IQWiG-Grenze mit 11,5 g/dl UNTER der WHO-Schwelle. Ein Wert von 11,8 g/dl steht damit im Referenzbereich und zugleich unter dem Anämie-Grenzwert. Was in deinem Fall gilt, ordnet deine Ärztin oder dein Arzt ein — ein einzelner Wert beantwortet die Frage nach der Ursache ohnehin nicht.

Kann Hämoglobin normal sein, obwohl ich Eisenmangel habe?

Ja, und das ist der häufigste Fallstrick der beiden Werte. Hämoglobin ist der größte Eisenverbraucher im Körper, aber der Körper greift bei Knappheit zuerst auf seine Speicher zurück. Deshalb fällt das Ferritin — der Speicherwert — deutlich früher als das Hämoglobin. Zwischen „Speicher leer" und „Blutarmut" liegt eine lange Strecke; ein normales Hämoglobin schließt einen Eisenmangel also nicht aus.

Was bedeutet ein zu hoher Hämoglobin-Wert?

Meist geht er mit einer erhöhten Zahl roter Blutkörperchen einher, die das IQWiG als Polyglobulie bezeichnet. Als Ursachen nennt es chronischen Sauerstoffmangel — etwa nach längerem Aufenthalt im Hochgebirge —, starkes Rauchen, bestimmte Herz- und Lungenerkrankungen sowie eine krankhafte Vermehrung der Blutzellen. Häufig und harmlos ist außerdem ein Flüssigkeitsmangel: Er verändert nicht die Menge, sondern die Verdünnung. Erhöhte Werte gehören laut IQWiG ärztlich abgeklärt.

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Quellen

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Hämoglobin — gesundheitsinformation.de. Aktualisiert am 20.03.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Erythrozyten — gesundheitsinformation.de. Aktualisiert am 20.03.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Hämatokrit — gesundheitsinformation.de. Aktualisiert am 20.03.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
  4. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), Onkopedia: Leitlinie Eisenmangel und Eisenmangelanämie. April 2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
  5. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Laborwerte richtig verstehen — gesundheitsinformation.de. 02.04.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)

Clamira Redaktion · Redaktionell erstellt

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