Erythrozyten-Folat
Auch: Folat in Erythrozyten · Vollblut-Folat · RBC-Folat · Folsäure in den roten Blutkörperchen
Das Erythrozyten-Folat misst Vitamin B9 nicht im flüssigen Teil des Bluts, sondern in den roten Blutkörperchen. Es ist damit ein eigener Marker mit eigenem Referenzbereich: Das IQWiG nennt für Frauen und Männer über 18 Jahren 150 bis 450 µg/l, das entspricht 340 bis 1020 nmol/l — deutlich mehr als beim Serum-Folat (2 bis 9,1 µg/l). Wer die beiden Zahlen verwechselt, liest seinen Befund genau falsch herum; prüfe deshalb zuerst, welches Material auf deinem Befund steht.
Was ist Erythrozyten-Folat?
Folsäure — Vitamin B9 — lässt sich auf zwei Wegen im Blut bestimmen. Der übliche Weg ist das Serum, also der flüssige Anteil. Der zweite Weg misst das Folat in den Erythrozyten, den roten Blutkörperchen. Das IQWiG schreibt beides ausdrücklich: Die Konzentration wird in der Regel aus dem Blutserum bestimmt, es kann aber auch die Konzentration in den Erythrozyten gemessen werden.
Der Unterschied ist kein Messdetail, sondern ein anderes Material. Rote Blutkörperchen nehmen Folat auf, während sie im Knochenmark entstehen, und behalten es danach. Im Serum schwimmt dagegen das, was gerade unterwegs ist — weshalb dieser Wert im Tagesverlauf schwankt und die Blutabnahme dort nüchtern erfolgen soll.
Was daraus praktisch folgt, ist vor allem eines: die Referenzbereiche sind völlig verschieden. Das IQWiG hält fest, dass sie sich deutlich unterscheiden, und die Zahlen zeigen, wie deutlich — im Serum 2 bis 9,1 µg/l, in den Erythrozyten 150 bis 450 µg/l. Eine Zahl aus dem einen Bereich in der Tabelle des anderen zu suchen, führt zwangsläufig zu einem falschen Eindruck.
Wozu Folat im Körper gebraucht wird, ist bei beiden Messungen dasselbe: Es ist laut IQWiG wichtig für die Bildung der Erbsubstanz, für die Teilung von Zellen und das Wachstum.
Erythrozyten-Folat: Normalwerte und Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Frauen über 18 Jahren — in den Erythrozyten[1] | 150 – 450 | µg/l |
| Männer über 18 Jahren — in den Erythrozyten[1] | 150 – 450 | µg/l |
| Zum Vergleich: Folat im Serum (anderer Marker)[1] | 2 – 9,1 | µg/l |
- Frauen über 18 Jahren — in den Erythrozyten: Dieselbe Quelle nennt den Bereich auch als 340 – 1020 nmol/l. Beide Angaben meinen dasselbe Ergebnis auf zwei Skalen.
- Männer über 18 Jahren — in den Erythrozyten: Entspricht 340 – 1020 nmol/l; identisch mit dem Bereich für Frauen.
- Zum Vergleich: Folat im Serum (anderer Marker): Entspricht 4,5 – 21 nmol/l. ⚠ Diese Zeile steht hier nur, damit die beiden Skalen nicht verwechselt werden — sie gehört zum Serum-Wert und hat eine eigene Seite.
Referenzbereiche sind laborabhängig — maßgeblich ist der Bereich auf deinem Befund.
Erythrozyten-Folat zu hoch: mögliche Ursachen
Für hohe Folat-Werte nennt das IQWiG zwei Erklärungen: eine starke Überdosierung von Folsäure-Präparaten oder einen Messfehler, weil in den Stunden vor der Blutabnahme etwas gegessen wurde.
Die zweite betrifft vor allem den Serum-Wert — er ist derjenige, der mit der letzten Mahlzeit schwankt und für den die Quelle deshalb ausdrücklich eine nüchterne Blutabnahme verlangt.
In beiden Fällen gilt: Ein erhöhter Wert ist zunächst ein Anlass, die Umstände der Messung und eingenommene Präparate durchzugehen — mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, nicht mit einer Tabelle im Internet.
Erythrozyten-Folat zu niedrig: mögliche Ursachen
Ein niedriges Erythrozyten-Folat weist in dieselbe Richtung wie ein niedriges Serum-Folat: auf eine unzureichende Folat-Versorgung. Als Ursachen nennt das IQWiG eine sehr einseitige Ernährung oder Alkoholismus, bestimmte Medikamente, Leber- und Nierenerkrankungen, Schuppenflechte, Krebs sowie entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Zöliakie.
Langfristig kann ein Folsäure-Mangel laut IQWiG zu einer megaloblastären Anämie führen — einer Blutarmut mit auffällig großen roten Blutkörperchen. Rund um eine Schwangerschaft steht ein anderes Risiko im Vordergrund: Fehlt Folsäure, besteht für das ungeborene Kind ein erhöhtes Risiko für schwere Fehlbildungen des Nervensystems.
Was du tun kannst: folatreich essen — grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Referenzwert für die Zufuhr 300 Mikrogramm-Äquivalente pro Tag für Erwachsene, 550 für Schwangere und 450 für Stillende (Stand der Ableitung 2015). Das ist eine Angabe für die Ernährung und ausdrücklich keine Präparate-Dosierung; solche Mittel enthalten häufig ein Vielfaches. Ob und wie lange eines sinnvoll ist, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Was den Wert beeinflusst
- Das Material. Serum oder Erythrozyten — davon hängt ab, welcher Referenzbereich überhaupt gilt. Das ist bei diesem Wert der wichtigste Punkt überhaupt.
- Präparate. Sie heben die gemessenen Folat-Werte an; das IQWiG nennt eine starke Überdosierung ausdrücklich als Ursache erhöhter Werte.
- Alkohol, Darmerkrankungen und bestimmte Medikamente. Sie stehen in der Quelle unter den Ursachen niedriger Werte und wirken über längere Zeit.
- Die letzte Mahlzeit. Sie betrifft den Serum-Wert (dort ist die nüchterne Abnahme Vorgabe) und ist der häufigste Grund für einen unerwartet hohen Serum-Befund.
Und allgemein gilt, was das IQWiG für alle Laborwerte schreibt: Rund 5 Prozent der Menschen liegen außerhalb des Referenzbereichs, obwohl sie gesund sind. Maßgeblich ist der Bereich auf dem eigenen Befund.
Wie gemessen wird
Gemessen wird aus einer gewöhnlichen Blutabnahme; das Labor bestimmt das Folat dann nicht im Serum, sondern in den roten Blutkörperchen. Welches Material verwendet wurde, steht auf dem Befund — und es ist die erste Angabe, die du beim Lesen brauchst.
Für den Serum-Wert verlangt das IQWiG eine nüchterne Blutabnahme am Morgen, weil er im Tagesverlauf schwankt. Wird stattdessen das Erythrozyten-Folat bestimmt, gilt dieselbe Sorgfalt beim Vergleich zweier Befunde: gleiches Labor, gleiches Material, gleiche Einheit.
Nimmst du ein Folsäure-Präparat, sag das vor der Messung. Der Wert beschreibt dann nicht mehr den Ausgangszustand, und für die Einordnung ist genau diese Information entscheidend.
Häufige Fragen
Welcher Erythrozyten-Folat-Wert ist normal?
Das IQWiG nennt für Frauen und Männer über 18 Jahren 150 bis 450 µg/l, was 340 bis 1020 nmol/l entspricht. Diese Zahlen gelten ausschließlich für die Messung in den roten Blutkörperchen — für Folat im Serum gilt mit 2 bis 9,1 µg/l (4,5 bis 21 nmol/l) ein völlig anderer Bereich. Maßgeblich ist der Bereich, den dein Labor auf dem Befund angibt.
Was ist der Unterschied zwischen Folsäure im Serum und in den Erythrozyten?
Es sind zwei Messungen in zwei verschiedenen Materialien. Das IQWiG schreibt, dass die Folsäure-Konzentration in der Regel aus dem Blutserum bestimmt wird, aber auch in den Erythrozyten gemessen werden kann — und dass sich die Referenzbereiche deutlich unterscheiden. Der Serum-Wert schwankt im Tagesverlauf und wird deshalb nüchtern abgenommen. Umrechnen lassen sich die beiden nicht; sie werden auch bei Clamira als getrennte Marker geführt.
Warum ist mein Erythrozyten-Folat so viel höher als mein Serum-Wert?
Weil es zwei verschiedene Skalen sind, nicht weil ein Wert besser wäre. Der Referenzbereich in den Erythrozyten liegt laut IQWiG bei 150 bis 450 µg/l, im Serum bei 2 bis 9,1 µg/l. Ein Wert von beispielsweise 200 ist im ersten Fall unauffällig und im zweiten außerhalb jeder Skala. Prüfe deshalb immer zuerst, welches Material und welche Einheit auf deinem Befund stehen.
Was bedeutet ein niedriges Erythrozyten-Folat?
Es weist in dieselbe Richtung wie ein niedriges Serum-Folat: auf eine unzureichende Versorgung mit Vitamin B9. Das IQWiG nennt als Ursachen unter anderem eine sehr einseitige Ernährung, Alkoholismus, bestimmte Medikamente, Leber- und Nierenerkrankungen sowie entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Zöliakie. Langfristig kann ein Mangel zu einer megaloblastären Anämie führen. Welche Ursache bei dir vorliegt und was daraus folgt, ordnet deine Ärztin oder dein Arzt ein.
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Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Folsäure — gesundheitsinformation.de. Aktualisiert am 20.03.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Folat. Stand der Ableitung 2015, Seite abgerufen am 11.08.2026. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Laborwerte richtig verstehen — gesundheitsinformation.de. 02.04.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
Clamira Redaktion · Redaktionell erstellt
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