Vitalstoffe

Folsäure

Auch: Folat · Serum-Folat · Vitamin B9 · Folsäure im Serum

Kurz gesagt

Folsäure ist ein wasserlösliches B-Vitamin (Vitamin B9), das der Körper laut IQWiG nicht selbst bilden kann — es ist wichtig für die Bildung der Erbsubstanz, für die Teilung von Zellen und für das Wachstum. Als Referenzbereich im Serum nennt das IQWiG für Frauen und Männer über 18 Jahren 2 bis 9,1 µg/l, das entspricht 4,5 bis 21 nmol/l. Für die Messung ist wichtig, dass die Blutabnahme morgens nüchtern erfolgt, weil der Wert im Tagesverlauf schwankt; maßgeblich bleibt der Bereich auf deinem Befund.

Was ist Folsäure?

Folsäure gehört zu den B-Vitaminen und trägt die Nummer neun. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen — sie muss über das Essen hineinkommen. Streng genommen sind zwei Dinge gemeint: Folat heißen die natürlichen Formen in Lebensmitteln, Folsäure die stabile synthetische Form aus Präparaten und angereicherten Produkten. Im Laborbefund steht meist eines von beidem und dasselbe ist gemeint.

Ihre Aufgabe beschreibt das IQWiG knapp und trifft damit den Kern: Folsäure ist wichtig für die Bildung der Erbsubstanz, für die Teilung von Zellen und das Wachstum. Wo viele Zellen entstehen, wird viel gebraucht — im Knochenmark, in der Darmschleimhaut, und vor allem in der frühen Schwangerschaft.

Genau daher rührt die bekannteste Empfehlung zu diesem Vitamin: Das Vitamin wird laut IQWiG für die Entwicklung von Gehirn und Rückenmark des Kindes benötigt, insbesondere in den ersten drei Monaten. Fehlt es, besteht für das ungeborene Kind ein erhöhtes Risiko für schwere Fehlbildungen des Nervensystems, beispielsweise für einen offenen Rücken (Spina bifida).

Als Referenzwert für die Zufuhr nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 300 Mikrogramm-Äquivalente pro Tag für Erwachsene, 550 für Schwangere und 450 für Stillende (Stand der Ableitung 2015). Diese Zahlen beschreiben die Ernährung und sind keine Präparate-Dosierung — welche Dosis in einer Schwangerschaft oder bei einem Mangel für dich richtig ist, gehört ins ärztliche Gespräch.

Folsäure: Normalwerte und Referenzbereiche

Referenz- und Richtwerte für Folsäure mit Angabe der jeweiligen Quelle
GruppeBereichEinheit
Frauen über 18 Jahren — im Serum[1]2 – 9,1µg/l
Männer über 18 Jahren — im Serum[1]2 – 9,1µg/l
Erwachsene — in den Erythrozyten (anderer Marker)[1]150 – 450µg/l
  • Frauen über 18 Jahren — im Serum: Dieselbe Quelle nennt den Bereich auch als 4,5 – 21 nmol/l. Beide Angaben meinen dasselbe Ergebnis auf zwei Skalen.
  • Männer über 18 Jahren — im Serum: Entspricht 4,5 – 21 nmol/l; identisch mit dem Bereich für Frauen.
  • Erwachsene — in den Erythrozyten (anderer Marker): Entspricht 340 – 1020 nmol/l. ⚠ Diese Zeile gehört NICHT zum Serum-Wert oben — sie steht hier nur, damit niemand die beiden Skalen verwechselt. Der Erythrozyten-Wert ist ein eigener Marker mit eigener Seite.

Referenzbereiche sind laborabhängig — maßgeblich ist der Bereich auf deinem Befund.

Folsäure zu hoch: mögliche Ursachen

Ein erhöhter Folsäure-Wert hat laut IQWiG meist eine von zwei Erklärungen: eine starke Überdosierung von Folsäure-Präparaten — oder schlicht einen Messfehler, weil man in den Stunden vor der Blutabnahme etwas gegessen hat.

Die zweite ist häufiger, als man denkt, und sie ist der Grund für die Nüchtern-Regel bei diesem Wert. Ein hoher Wert nach dem Frühstück beschreibt das Frühstück, nicht die Versorgung.

Was daraus folgt, ist deshalb selten dramatisch: Erst die Frage, ob nüchtern gemessen wurde, dann die Frage nach Präparaten — und dann die Einordnung durch deine Ärztin oder deinen Arzt.

Folsäure zu niedrig: mögliche Ursachen

Niedrige Folsäure-Werte entstehen laut IQWiG durch eine sehr einseitige Ernährung oder Alkoholismus, durch bestimmte Medikamente, durch Leber- und Nierenerkrankungen, durch Schuppenflechte, durch Krebs und durch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Zöliakie.

Zwei Wege also, wie beim Vitamin B12: zu wenig aufgenommen oder zu viel verbraucht beziehungsweise nicht verwertet. Welcher davon zutrifft, entscheidet darüber, was hilft — deshalb ist die Ursache die eigentliche Frage, nicht die Zahl.

Anhalten kann ein Mangel Folgen haben: Das IQWiG nennt langfristig eine megaloblastäre Anämie, eine Form der Blutarmut mit auffällig großen roten Blutkörperchen. In der Schwangerschaft steht ein anderes Risiko im Vordergrund (siehe oben).

Was du tun kannst: Folatreich essen — grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn. Der Zufuhr-Referenzwert der DGE liegt bei 300 Mikrogramm-Äquivalenten pro Tag für Erwachsene, 550 für Schwangere und 450 für Stillende. Präparate dosieren häufig ein Vielfaches davon; welche Dosis für dich passt und wie lange, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Vor und in einer Schwangerschaft gelten eigene, ärztlich begleitete Empfehlungen.

Was den Wert beeinflusst

  • Die letzte Mahlzeit. Der Serum-Wert schwankt im Tagesverlauf; das IQWiG hält deshalb ausdrücklich fest, dass die Blutabnahme morgens nüchtern erfolgen sollte. Wer gegessen hat, misst zu hoch.
  • Präparate. Sie heben den Wert deutlich an — eine Messung während oder kurz nach einer Einnahme beschreibt die Tablette, nicht den Speicher.
  • Alkohol und Darmerkrankungen. Beides steht in der Quelle unter den Ursachen niedriger Werte, und beides wirkt über längere Zeit.
  • Das gemessene Material. Serum und Erythrozyten haben laut IQWiG deutlich unterschiedliche Referenzbereiche. Wer die Zahlen vertauscht, liest den Befund falsch herum.

Und allgemein: Rund 5 Prozent der Menschen liegen laut IQWiG außerhalb des Referenzbereichs, obwohl sie gesund sind.

Wie gemessen wird

Die Folsäure-Konzentration wird laut IQWiG in der Regel aus dem Blutserum bestimmt; es kann aber auch die Konzentration in den Erythrozyten gemessen werden. Die Referenzbereiche der beiden sind deutlich unterschiedlich.

Der wichtigste praktische Punkt steht in der Quelle direkt daneben: Die Blutabnahme sollte morgens nüchtern erfolgen, weil der Wert über den Tagesverlauf schwankt. Anders als bei vielen anderen Werten ist das hier keine Formalie, sondern der Unterschied zwischen einer Messung und einer Momentaufnahme des Frühstücks.

Nimmst du ein Folsäure-Präparat, gehört das ins Gespräch vor der Messung: Der Wert zeigt dann nicht mehr den Ausgangszustand. Für Verlaufskontrollen sind dasselbe Labor und dieselbe Uhrzeit sinnvoll.

Häufige Fragen

Welcher Folsäure-Wert ist normal?

Im Serum nennt das IQWiG für Frauen und Männer über 18 Jahren 2 bis 9,1 µg/l, was 4,5 bis 21 nmol/l entspricht. Wird stattdessen die Konzentration in den Erythrozyten gemessen, gilt ein völlig anderer Bereich — 150 bis 450 µg/l beziehungsweise 340 bis 1020 nmol/l. Prüfe deshalb zuerst, welches Material auf deinem Befund steht; maßgeblich ist der dort angegebene Bereich.

Muss ich für die Folsäure-Messung nüchtern sein?

Ja. Das IQWiG hält ausdrücklich fest, dass die Blutabnahme morgens nüchtern erfolgen sollte, weil der Wert über den Tagesverlauf schwankt. Wer vorher gegessen hat, bekommt einen zu hohen Wert — die Quelle nennt genau das als eine der beiden häufigen Erklärungen für erhöhte Werte.

Was ist der Unterschied zwischen Folsäure und Folat?

Gemeint ist dasselbe Vitamin, nur in verschiedenen Formen: Folat steht für die natürlichen Verbindungen in Lebensmitteln, Folsäure für die stabile synthetische Form aus Präparaten und angereicherten Produkten. Im Laborbefund steht mal das eine, mal das andere. Ein echter Unterschied besteht dagegen zwischen dem Wert im Serum und dem in den Erythrozyten — das sind zwei Messungen mit zwei sehr verschiedenen Referenzbereichen.

Wie viel Folsäure am Tag ist empfohlen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Referenzwert für die Zufuhr 300 Mikrogramm-Äquivalente pro Tag für Erwachsene, 550 für Schwangere und 450 für Stillende (Stand der Ableitung 2015). Das sind Angaben für die Ernährung und keine Präparate-Dosierungen; solche Mittel enthalten häufig ein Vielfaches. Rund um eine Schwangerschaft gelten eigene Empfehlungen, die ärztlich begleitet werden.

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Quellen

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Folsäure — gesundheitsinformation.de. Aktualisiert am 20.03.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Folat. Stand der Ableitung 2015, Seite abgerufen am 11.08.2026. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Laborwerte richtig verstehen — gesundheitsinformation.de. 02.04.2025. Zur Quelle(öffnet in neuem Tab)

Clamira Redaktion · Redaktionell erstellt

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